Gesundheitsförderung stellt eine zentrale Säule des Gesundheitswesens dar (Tiemann, Mohokum und Kickbusch (Hrsg.), „Prävention und Gesundheitsförderung. Band 2“ S. VII). Dabei geht es nicht nur darum, Krankheiten zu vermeiden oder zu behandeln, sondern – dem umfassenden Gesundheitsverständnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgend – um die Förderung des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens (Constitution of the world
health organization, 1948). Besonders im Jugendalter, einer Lebensphase voller Veränderung und Selbstfindung, werden viele gesundheitsrelevante Verhaltensweisen geprägt, die sich langfristig verfestigen können. Ziel von Gesundheitsförderung ist es daher, junge Menschen frühzeitig in ihrer Gesundheitskompetenz zu stärken, Selbstbestimmung zu fördern und sie dabei zu unterstützen, reflektierte und informierte Entscheidungen zu treffen („Prävention und Gesundheitsförderung. Band 2“, S. 30).
Bei unseren Angeboten orientieren wir uns an der Haltung des konsumakzeptieren Ansatzes. Das Menschenbild in der akzeptierenden Drogenarbeit begreift Konsumierende als selbstwirksame, mündige Individuen, welche Entscheidungen für oder gegen Substanzgebrauch treffen können. Konsum wird dabei nicht per se als problematisch begriffen, sondern positive und negative Wirkungen des Substanzkonsum werden anerkannt und selbstbestimmte Lebensentwürfe von Menschen akzeptiert. Es wird Konsument*innen keine generelle Behandlungsbedürftigkeit unterstellt. Gleichzeitig wird auch nicht ausgeblendet, dass Abhängigkeiten ein Krankheitsbild darstellen und es Konsument*innen gibt, welche institutionelle Hilfe benötigen. Wir unterstützen dabei Abstinenzabsichten und vermitteln Strategien zum Reduzieren oder Beenden von Substanzgebrauch.
Wichtigste Grundlage zur Suchtprävention und Gesundheitsförderung stellt der Zugang zu Informationen und Wissen dar. Dies umfasst das Wissen über erwünschte und unerwünschte Substanzwirkungen, Dosierung, Gefahren bei Mischkonsum und Einordnungen zu Konsumdynamiken und Suchtentwicklung. Dadurch werden Menschen dazu ermächtigt, Risikoverhalten zu reduzieren und Gesundheitsgefahren zu minimieren.
Substanzkonsum ist IMMER mit Risiken verbunden. Die einzige Möglichkeit, Risiken durch Konsum komplett auszuschließen, ist auf jeglichen Konsum zu verzichten! Wenn sich trotz dessen für Konsum entschieden werden sollte, gibt es verschiedene Wege, Risiken für akute oder langfristige negative Auswirkungen zu minimieren. Entsprechende Regeln zur Risikoreduzierung nennen sich Safer Use oder Harm Reduction.
- Informiere dich vor dem Konsum über die entsprechende Substanz! Welche Wirkung ist zu erwarten? Welche Dosis sollte nicht überschritten werden, um deinen Körper nicht übermäßig zu belasten? (Jeder Körper ist unterschiedlich, dosiere vorsichtig!)
- Vermeide Mischkonsum (auch mit Alkohol)!
- Konsumiere nur in Settings, in denen du dich sicher fühlst. Konsumiere nicht allein und teile Freund*innen mit, was du genommen hast, damit diese im Notfall Sanitäter*innen informieren können.
- Setze dir klare Konsumregeln! Welche Konsequenzen ziehst du für dich daraus, wenn du sie nicht einhälst?
- Mache Konsumpausen! Jede Form der Regelmäßigkeit führt zur Gewöhnung und legt den Grundstein für eine Sucht.
Für mehr Safer Use Tipps schaue dir die Links unter weitere Informationen an.